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Die intellektuelle Armut der Kritik an praktischem politischen Handeln – eine Polemik

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten.

Zum Sprachgebrauch in diesem Text

In diesem Text wird soweit wie möglich auf das Gender-* verzichtet und stattdessen mit der Endung -i bzw. -is gegendert. Das soll geschlechtergerechte Sprache bei gleichzeitiger flüssiger Lesbarkeit ermöglichen.

Außerdem versuchen wir so weit wie möglich auf Fremdwörter zu verzichten und sie falls sie doch auftreten zu erklären um den Text so barrierefrei wie möglich zu halten. Uns geht es hier darum unsere Gedanken möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, nicht darum uns daran aufzugeilen wie viele tolle lange Wörter wir kennen.

Vorwort

In Nürnberg gibt es seit einiger Zeit Versuche, linken Aktivistis spektrumsübergreifend Wissen und Skills zu direkten Aktionen zu vermitteln. Ein Teil der Solid Nürnberg versucht diese Veranstaltungen zu unterstützen, zum Beispiel durch Kochen für die Seminare, in denen diese Vermittlung passiert.

Ein anderer Teil der Solid Nürnberg scheint sich dadurch in seiner Theorieblase ohne politische Praxis bedroht zu fühlen. Das zeigt sich aktuell in diesem Text, deren Verfassis es offenbar für nötig hielten ihn Stunden vor dem Beginn eines solchen Seminar zu veröffentlichen.

Ebenfalls bezeichnend ist dass die Autoris diesen Text veröffentlichten, ohne vorher das Gespräch mit denen zu suchen, die Seminare zu direkter Aktion in Nürnberg halten, organisieren oder unterstützen. Dafür wäre es nicht einmal notwendig eines dieser Seminare zu besuchen, da die Referentis und Organisatoris mehrfach zu Gast bei Plena der Solid Nürnberg anwesend waren und sich auch als solche zu bekennen gaben. Es sei denn natürlich, diejenigen die Texte auf der Website der Solid Nürnberg veröffentlichen, sind bei deren Plena regelmässig nicht anwesend.

Dieses Verhalten zeigt aus unserer Sicht dass es nicht wirklich um eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Ziel eine bessere Welt zu schaffen geht, sondern um intellektuelles Gemacker. Trotzdem werden wir hier auf einige Punkte inhaltlich eingehen:

Die Projektion der Kritik auf die Person Jörg Bergstedt

In dem Text werden „Direct Action“ und die Person Jörg Bergstedt immer wieder als eine Einheit begriffen. Das ist problematisch weil weder Jörg den Anspruch erhebt eine Repräsentationsperson für direkte politische Aktion zu sein, noch eine Mehrzahl der Aktivistis die direkte Aktionen durchführen sich auf diese Art auf ihn beziehen.

Das mag für Leute, die Hierarchien und Repräsentationspersonen gewohnt sind, merkwürdig klingen, aber für die meisten Aktivistis, die direkte Aktionen als wichtigen Teil ihres politischen Handeln sehen, ist Jörg weder ein Guru noch das personifizierte Böse.

Jörg ist einfach ein Mensch, der intelligente und dumme Sachen sagen kann, den einige vielleicht sympatisch finden und als Freund betrachten, andere möglichst aus dem Weg gehen. Ironischerweise scheinen die einzigen, die in Jörg eine Repräsentationsfigur sehen, die zu sein, die sowohl ihn als auch direkte Aktion grundsätlich kritisieren.

Der Antiziganismus der anderen

Wenn wir von Antiziganismus reden, meinen wir eine spezielle Form von Rassismus, die sich gegen Roma, Sinti, Fahrende, Jenische und andere Personen und Gruppen richtet, die von der Mehrheitsgesellschaft als „Zigeuner“ stigmatisiert werden.

Antiziganismus muss natürlich kritisiert werden. Aber was kann alles antiziganistisch sein? Eine Meinung, klar. Außerdem zum Beispiel Aussagen, ein direkter Angriff, oder weitverbreitete Vorurteile.

Aber wenn man Formen der Lebensführung, die rein zufällig dem ähneln, was Antiziganistis den Sinti & Roma unterstellen, als antiziganistisch kritisiert, tut man dem Kampf gegen Antiziganismus wirklich einen Gefallen?

Kommt den Autoris nicht in den Sinn, dass es einfach praktisch ist, zu trampen, zu containern, und Straßenmusik zu machen? Ich kann nur für mich sprechen – aber wenn ich trampe, containere, oder Straßenmusik mache, behaute ich damit weder, dass ich damit einen ernsthaften Einfluss auf die Gesellschaft habe, noch will ich mich damit i-wie, weder positiv noch negativ, auf Sinti und Roma beziehen. Davon abgesehen sind längst nicht alle Menschen in der Lage dazu sich regelmässig Zugtickets oder auch nur Essen zu kaufen. Sollen diese Menschen grundsätzlich aufs Reisen (oder sogar Essen) verzichten weil es irgendwie konstruierbar ist dass trampen und containern Antiziganistisch ist?

Die Autoris benutzen hier jedoch einen vollkommen verkürzten Freiheitsbegriff, der keine Grautöne mehr kennt. Statt komplexe Abhängigkeitsverhältnisse im kapitalistischen System zu thematisieren, und zu politisieren, wie die Menschen konkret von ihnen eingeschränkt werden, behaupten sie lieber, dass Freiheit in einer Welt, in der neben anderen auch kapitalistische Produktionsformen existieren, prinzipiell nicht möglich sei. Diese Gleichmacherei verblendet den Blick für viele Formen emanzipatorischer Politik – und fällt zusammen mit einer Attitüde, der Recht haben wichtiger ist, als tatsächlich etwas für eine bessere Welt zu tun.

Individuum und Staatsfetisch

Unser Individualismus kommt aus dem Handeln. Die Arbeitis, das sogenannte revolutionäre Subjekt, ist kollektivistischer, ja – aber es tut auch nicht besonders viel. Wir wollen mehr tun. Und damit muss man eben selber anfangen. Irgendwann machen dann schon mehr Leute mit – wenn sie denn wollen.

Die Autoris werfen uns außerdem einen Staatsfetisch vor – dass wir den Staat als Feind veräußerlichen (also außerhalb von uns betrachten), statt einzusehen, inwiefern wir Teil des Problems sind. Es stimmt jedoch nicht, dass wir das nicht einsehen. Natürlich sind wir Teil des Staates. In Diskussionen und Seminaren hört man immer wieder das Bild vom „Bullen im Kopf“, mit dem man sich selbst und andere einschränkt. Wir wollen nicht nur den Staat da außen, sondern auch den in uns loswerden. Unregierbar werden heißt, anderen zu ermöglichen, nicht gehorchen zu müssen – Räume zu schaffen, wo die Angst keinen Platz hat.

Wir tun hin und wieder staatsähnliche Sachen, auch das spricht der Text an. Awarenessteams entstehen völlig richtig aus Angst heraus – Angst vor übergriffigen Mackern. Auch die sind kein äußerliches Problem, in der linken Szene gibt es mehr als genug davon. Wir können versuchen, solche Probleme soweit es geht ohne Gewalt & mehr Angst, sondern mit Vermittlung & Kommunikation zu lösen. Aber das ist Handeln, und das ist Realität – da geht es unter Umständen nicht so sauber zu wie in einem Text mit kritischer Trennschärfe.

Wenn Menschen sich in freien Vereinbarungen zusammentun, um eine bessere Welt zu bauen, dann wollen sie Handeln. Und darüber reden, wie das mit dem Handeln so läuft, ob man es richtig tut oder ob es anders sein müsste. Was es mit uns macht. Und am Ende steht hoffentlich weniger Angst als vorher – Angst vor den anderen, Angst vor dem Staat, Angst vor unserer eigenen Schwäche.

Damit muss man sich mit sich selbst auseinandersetzen – und in letzter Instanz kann das nur jede mit sich selbst. Freie Entscheidungen können nur Individuen treffen, deswegen können nur Individuen sich als solche Zusammenschließen. Und wirklich frei sind sie in unserem bestehenden System natürlich auch nicht sofort. Aber wenn wir zusammen daran arbeiten, dann sind wir morgen vielleicht etwas freier als heute.

Theorie und Praxis

Unser Denken soll uns nicht im Handeln behindern, sondern wir wollen davon lernen. Theorie, die vor allem versucht, Recht zu haben, ist dabei nicht besonders hilfreich – Konzepte beweisen sich dadurch, dass sie funktionieren und Leute sie umsetzen, nicht dadurch, dass ein ganzer Lesekreis jemandem Recht gibt. Insofern ist die Theorie für die Praxis da, indem sie einen besser Handeln lässt, und man Fehler besser einsehen kann.

Umgekehrt kann auch die Praxis etwas für die Theorie tun. Wenn man politisch handelt, hat man einen tatsächlichen Bezug zu der besseren Welt, über die man eben noch nur nachgedacht hat. Da macht das Denken gleich viel mehr Spaß, und die Diskussionen werden in der Regel weniger gegeneinander, sondern mehr miteinander. Praxis ist unter anderem dafür da, dass die Theorie nicht den Boden unter den Füßen verliert. Sie gibt dem Denken einen Raum, den es in einem stickigen Zimmer nicht haben kann.

Insofern die Einladung an die Autoris des ersten Posts: kommt am 7.7. ins Projekt 31 und lasst uns zusammen übers Handeln nachdenken! Da findet ein Workshop zum Thema Kleingruppenaktionen statt, und vielleicht können wir da was voneinander lernen. Aber es geht dort weniger darum, wer Recht hat, sondern eher darum, wie man nicht erwischt wird. Ob das was für euch ist, müsst ihr selbst wissen 😉

Demo in München gegen das PAG

Das PAG ist beschlossen – und was jetzt?

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten. Diese Rede wurde am 15.5.2018 in Nürnberg gehalten.

Dass in Bayern 40.000 Leute auf die Straße gehen, ist ein gutes Zeichen – und ich habe es ehrlich gesagt nicht erwartet.

Mit bunten Haaren ist man es hier gewohnt, allein gelassen zu werden. Deshalb danke, dass ihr heute alle hier seid!

Viele Leute interessieren sich plötzlich für Gerechtigkeit und haben satt, dass die CSU seit über 60 Jahren praktisch Alleinbestimmerin in Bayern ist. Damit, dass die CSU uns alle ignoriert, hat sie vor allem eins gezeigt: wir leben nicht mehr in einer Demokratie, und mit friedlichem Widerstand können wir hier nichts mehr machen.

Wenn 40.000 Leute, die in München kaum auf die Plätze passen, die CSU nicht zum einlenken bringen können, wenn sie Notstandsgesetze einführt und Wegbereiter des Faschismus spielt – dann können wir die Freiheit nicht mehr friedlich verteidigen, und unsere Chance ist verspielt.

Das ist der Moment, nach dem unsere Kinder uns fragen werden:

  • „Was habt ihr dagegen getan, als der Polizeistaat etabliert wurde?“
  • „Was habt ihr getan, als die Demokratie abgeschafft wurde?“
  • „Was habt ihr getan, als all die Menschen abgeschoben wurden, die hier ein besseres Leben suchten?“
  • „Was habt ihr getan, als alle die anders waren, als Lesben und Schwule, Muslime, Aktivisten, Fußballfans, Punks, Unangepasste, Schwarzfahrer, HIV-Infizierte, Psychisch Kranke, Unerwünschte, Migranten, Anarchisten, und irgendwann auch Liberale nach und nach zu Gefährdern erklärt wurden?“

Spätestens vom heutigen Tag an können wir uns nicht mehr darauf verlassen, dass uns der Rechtsstaat vor der Willkür der Mehrheit schützt. Ab jetzt verteidigen wir uns selbst oder gar nicht.

  • Also verschlüsselt eure Kommunikation!
  • Kocht und sorgt füreinander!
  • Erzählt euch eure Geschichten!atat
  • bietet Leuten Unterschlupf an, wenn sie vor unserem oder anderen Regimes fliehen müssen!
  • Liebt euch, als wärt ihr morgen nicht mehr frei!
  • Redet nicht mit den Bullen 😉
  • Lernt, euch selbst und andere vor Gericht zu verteidigen!
  • Seid solidarisch, wenn andere festgenommen werden!
  • Und vielleicht tut ihr ja noch andere Sachen, die wir hier nicht sagen können, ohne zu Straftaten aufzurufen.

Haltet zusammen und glaubt an die Freiheit: bildet euch, bildet andere, bildet Banden!

Die Armutsgestalt des Jörg Bergstedt und das Elend seiner Sympathisanten

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten.

 

Eine Polemik an der Ideologiebildung der Direct Action Bewegung und seinem regressiven Charackter

Vorwort

Die Direct Action Bewegung rund um Jörg Bergstedt hat eine neue Form des inhaltslosen Aktivismus entwickelt, welche Ersatzhandlungen für Aktivistinnen beinhaltet, die handeln aber nicht denken wollen. Dieser Aktivismus entspringt unserer Meinung nach einer hektischen Form von Theoriebildung, wie sie in den Texten der ‚Projektwerkstatt‘ nachgelesen werden kann. Diese Denkfaulheit wollen wir zuerst in der Theorie am Staatsbegriff, sowie an dem Begriff des Individuums aufzeigen. Danach sehen wir uns die praktischen Protestformen an, die aus der Theorie folgen.

Der positive Bezug zum Konstrukt Individuum und der Staatsfetisch

Die zwei Kernproblematiken, in den Theorien von Bergstedt sehen wir erstens in der positiven Bezugnahme auf das Individuum[1], welches selbst kapitalistisch bestimmt ist. Zweitens wird der Staat fetischisiert als eine äußere unabhängige Gewalt[2].

Das Individuum

Das bürgerliche Individuum entsteht ideologisch mit den Philosophen der Aufklärung(Voltaire, Rousseau, Kant etc.) und entwickelt sich historisch mit dem Entstehen kapitalistischer Produktionsverhältnisse, ca. 1712. Das bürgerliche Subjekt wird verstanden als Warenbesitzer welcher im Austausch von Waren mit anderen Warenbesitzer die Gesellschaft zivilisiert und kultiviert, s. ‚mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte‘, Kant. Erst durch die Warenbeziehung tritt der Mensch in eine zivilisierte Beziehung zu seiner Umgebung und der Gesellschaft. Weiterhin wird das bürgerliche Individuum als rational handelnd, diszipliniert, kurz gesagt, im Sinne Kant’s kategorischen Imperativ, als mündig begriffen.
Die Objektivierung des einzelnen Subjekts entsteht im Tausch- und Produktionsprozess, indem Waren spezifische Eigenschaften zugeordnet werden, oder werden müssen, welche ihren Gebrauchswert bestimmen. Da die Arbeitskraft des Menschen im Kapitalismus selbst zu einer Ware wird, muss er diese Objektivierung auch an sich selbst vornehmen.
Ein weiterer Aspekt, der das Individuum ausmacht, ist der Rationalisierungsprozess der Introjektion. Äußere Zwangsverhältnisse die auf das Subjekt wirken, werden integriert und abgerufen. Äußerlich scheinen dadurch die Zwänge zu verschwinden, etwas das als Freiheit empfunden wird. Jedoch treten die Widersprüche und Zwänge damit, verlagert im Subjekt selbst, privatisiert wieder auf. Beispiele dafür wären: Die erschöpfende Arbeit, die rationalisiert, als Arbeit auftritt, die geliebt wird. Oder die Ohnmacht gegenüber den materiellen Verhältnissen zu einem Dogma wird, alles erreichen zu können, wenn man nur daran glaubt(Tellerwäscher zum Millionär).
Eine ernstgemeinte radikale und selbstreflexive Kritik der Gesellschaftsverhältnisse, würde jedoch genau das Gegenteil bewirken, das was man als Individuum begreift, würde beginnen sich, mit den Widersprüchen, die ins innere verlagert wurden, vor einem aufzulösen. Das Problem ist also nicht, das Individuum an sich, sondern dessen Konstrukt. Im Kapitalismus ist das Individuum die Summe von Zwangsverhältnissen. Das Problem ist also eher, dass im Kapitalismus keine Individualität geformt werden kann, da sie durch die Zwangsverhältnisse stark beeinflusst wird.
Da Bergstedt diesen historischen und ideologischen Prozess jedoch nicht erkennt oder erkennen will und es scheinbar auch nicht vorhat, da er sich positiv darauf bezieht, übernimmt er die Widersprüche die dieses Konstrukt beinhaltet. Welche Widersprüche das sind, sollte im folgenden Staatsfetisch Kapitel klarer werden, da das Individuum und der Staat im Kapitalismus untrennbar aufeinander bezogen sind.

Der Staatsfetisch – freie Menschen in freien Vereinbarungen oder privatisierte Barbarei

Wenn man nicht möchte das eine Staatskritik in einem Fetisch endet, muss man begreifen, dass das was wir als Staat erkennen und uns als Staat gegenüber tritt, in der Denkform selbst, welche aus den materiellen Verhältnissen(Produktionsform) entsteht, beinhaltet ist. Unsere bestehende Gesellschaft, sowie auch Denkform ist Gewalt förmig angelegt. Das machtlose, tüchtige, ehrliche und zugleich rational, vernunft und moralisch handelnd und denkende bürgerliche Subjekt ist durch Gewalt geformt. Um ein banales Beispiel zu nennen: Der Bürger kauft das Fahrticket nicht aus Kants kategorischen Imperativ heraus, sondern aus Furcht vor der Staatsgewalt, er wägt die Strafe gegen den Preis des Tickets ab.
Als weiteres Beispiel kann unser Bildungssystem herangezogen werden: Deren Motivation ebenfalls auf Angst aufbaut. Nämlich der Angst die entsprechende Bildungsleistung nicht erbringen zu können.
Es ist also ein Gewaltverhältnis notwendig, um die materiellen Verhältnisse durch Gesetze, Strafen usw. zu erhalten und zu reproduzieren, und damit auch das bürgerliche Subjekt. Die Konflikte die daraus entstehen(Bedürfnisse, Wünsche etc), wie beispielsweise Muße, Freiheit, Machtstreben, Undiszipliniertheit, Glück usw., sowie auch die Reproduktionsarbeit, welche nicht in diese Sphäre gehört, jedoch trotzdem für sie notwendig ist, müssen abgespalten werden. Meistens werden diese Wünsche auf Minderheiten projiziert, und das um Bürger(Staatssubjekt, Rechtssubjekt usw.) bleiben zu können: Macht und Glück auf die Juden; Reproduktionsarbeit auf die Frauen; Freiheit, Muße, Arbeitsscheu, Naturverbundenheit auf Sinti & Roma, usw.
Auch werden diese Sehnsüchte kulturindustriell verarbeitet und rationalisiert, in dem derselbe Alltag als Paradies wieder angeboten wird.
Bergstedt erkennt nun jedoch auch diesen Umstand nicht, was ihn dazu bewegt den äußerlich begriffenen Staat abschaffen zu wollen. Was jedoch nur bedeuten würde, dass der Staat als Institution, in einer anderen Form erscheint, da die Produktionsverhältnisse, aus denen er entsteht nicht berührt werden. Beobachten kann man das auch in linken Zusammenhängen, in denen durchaus informelle Herrschaftsstrukturen, wie mit bspw. ‚Awareness-Teams‘ entstehen, welche sich von einer Institution des Staates im kleinen, kaum unterscheiden.

Der Wertcharakter und die Barbarei

Hinter der Idee von ‚freien Menschen in freien Vereinbarungen‘, steckt ein kapitalistisches Merkmal von Effizienz. Die Individuen im „Aushandlungs“verhältnis(nichts anderes als ein Marktverhältnis) handeln Entscheidungen aus. Die effizienteste wird in die Tat umgesetzt. Das was die Gesellschaft nun reguliert, ist nicht das Streben nach effizienter Produktionsweise, also Streben nach größerem Mehrwert, sondern das Streben nach dem geringsten Aufwand. Bergstedt argumentiert(ein herrschaftsloses Verhältnis vorausgesetzt), das so z.B. keine Waffen produziert werden würden um Kriege zu führen, da der Aufwand geringer ist, hier eine Regelung zu treffen, welche für beide Seiten weniger Aufwand bedeutet. Das hebt jedoch den kapitalistischen Charakter in diesem Verhältnis nicht auf, sondern verlagert ihn nur. Es existiert immer noch ein abstrakter Wert von Arbeit. Das es bspw. zu aufwendig ist behinderte Menschen zu versorgen, würde in so einer Gesellschaft, keine weit liegende Assoziation sein, wie es heute schon eine ist. Da sie nun nach weniger Aufwand, des weniger Aufwand wegen strebt. Sowie im Kapitalismus nach dem Profit gestrebt wird, des Profit wegen. Der Wertcharakter in der Gesellschaft wird dadurch nicht aufgehoben. Freiheit ohne Bewusstsein bedeutet Barbarei und das ist was Bergstedts Ideologie vermittelt, einen nicht selbstreflexiven Begriff von Freiheit[3].

Idealistische Gebilde & reale materielle Verhältnisse

Vom Handeln aber nicht Denken wollen

Ein Merkmal von Ideologie ist das unfreier werden, während Freiheit propagiert wird.
Das Kämpfen für Freiheit, beinhaltet das Leben unter der Pfändungsgrenze, sammeln aus Containern, das Befassen mit inhärenten juristischen Kämpfen.
Zusammengefasst muss sich eben den jeweiligen Gesetzen untergeordnet werden, die diese Bewegung im Grunde bekämpfen/abschaffen möchte. Das Unterordnen unter sie, setzt auch ihre politische Handlungsfähigkeit voraus. Beispielsweise bedeutet, das nicht leistungserschleichende öffentliche Verkehrsmittel fahren, per Schild nicht, dass man der Geldstrafe entgeht. Der Geldstrafe wird erst entgangen, wenn es nichts zu pfänden gibt, was das Leben unter der Pfändungsgrenze bedeutet. In dem Zustand ist, das Containern auch ganz vernünftig und konsequent. Der Lebensstil ist tendenziell also schon vorgegeben.
Normalerweise wäre es andersherum sinnvoller. Gesellschaftliche Teilhabe sollte eingefordert werden, hier findet jedoch ein Rückzug statt. Das produzierte Elend der Gesellschaft wird nicht bekämpft, es wird sich von ihr abgegrenzt und eine Selbstverwaltung des Elends eingerichtet, von dem sie ein Teil sind[4]. Weiterhin sollten den Menschen Methoden mitgegeben werden, die es ihnen ermöglicht emanzipatorisch die Gesellschaft zu analysieren, im Grunde also Voraussetzungen zu schaffen. Die Direct Action Bewegung jedoch, gibt einen kompletten Lebensstil vor.
Den Gegner bewusst mit seinen eigenen Mitteln, in diesem Fall Gesetze, bekämpfen zu wollen, bedeutet sich diesen Gesetzen zu unterwerfen, diese zu affimieren. Es entsteht hier also ein paradoxer Zustand, dessen Ursache darin liegt, dass neue Ideologie aus der bestehenden bürgerlichen Ideologie recycelt wird, die schon Widersprüche enthält.
Zu was das führt, sieht man deutlich bei Bergstedt, der sehr überzeugt von sich selbst, von seinen Katz und Maus Spielchen mit Polizei und Justiz erzählt, oder während er im Müll wühlt, die kapitalistische Produktion kritisiert und damit sein Gewühle rationalisiert. Auf die Frage jedoch, weshalb man dafür im Müll wühlen muss und was es der Gesellschaft bringt, wenn nun alle Menschen kollektiv im Müll wühlen, um das Essen zu retten und ob es nicht besser wäre die Produktion zu überwinden die er kritisiert, welche eben zu dieser Verschwendung führt, wird er nur mit dem immer gleichen Antworten können, nämlich mit Ersatzhandlungen, welche seine Denkfaulheit nicht besser veranschaulichen könnten.
Wenn er im Müll spielt, rettet er das verschwendete Essen, die Natur. Wenn er Militant den Anbau von Genpflanzen verhindert, rettet er ebenso die Natur. In seiner Ideologie ist der Mensch keine Kategorie mehr. Wenn er sich in Gerichtsverfahren selbst verteidigt, verteidigt er nichts weiter als seine Ideologie; wenn inhärente Strukturen bewusst als Strategie affimiert werden, um sie zu bekämpfen, hat man den Kampf schon verloren. Wenn man verliert ist man im Unrecht und wenn man gewinnt, zeigt man, dass die Strukturen ‚funktionieren‘, da man das ‚Ziel‘ erreicht hat, ohne auf den äußeren Gegenstand verwiesen haben zu müssen. Damit hätte man seine eigenen Kritik widerlegt.
(Sehr oft werden die Zapatistas als Vorbild zitiert: „fragend schreiten wir voran“. Das Fragen wird aber öfters vernachlässigt).
Wenn Bergstedt nun nur seinem selbstgeschaffenem Elend beiwohnen würde, gäbe es aus unserer Sicht, vielleicht nur eine aufmerksame Bemerkung, dass das ganze kein Sinn ergibt.
Das Problem, ist mehr, dass sich Menschen dazu bewegt sehen in Containern zu wühlen, zu schnorren und sich an Bäume zu ketten, auch unabhängig von ihren realen materiellen Verhältnissen(es gibt dazu auch praktische Tipps [5]). Was wiederum den Menschen, die in diese Verhältnisse aus materieller Not gezwungen sind nicht gerecht wird(s. Tendenzen zum Antiziganismus). Die Verhältnisse als Freiheit von der Gesellschaft zu verkaufen und zu imitieren, was jedoch nur Unterordnung in Zwangsverhältnisse bedeutet, offenbart gleichzeitig auch eine sehr egozentrische Sicht auf das Gesellschaftsverhältnis.

 Der esoterische Naturbegriff & Naturbeherrschung

(in Bearbeitung)

Tendenzen zum Antiziganismus

Fetischisierter Antikapitalismus und antirassistischer Philoziganismus

Im Kontext des Hambi Widerstands taucht Herr Bergstedt des öfteren als Redner auf; und es ist interessant zu beobachten, dass überall wo er auftaucht und agitiert sich problematische Tendenzen im politischen Handeln entwickeln. Im Hambi Kontext reproduzieren seine Theorien tendenziell antiziganistische Bilder/Vorurteile und besetzen diese Positiv, was nicht weniger falsch ist.

Die Menschen die dem kapitalistischen Alltag zu entfliehen versuchen, sehen im Hambi-Protest, also im Vormodernen, dem nicht gesellschaftlichen Ablauf, dem Wurzellosen, dem ungebundenen Leben, eine Möglichkeit sich politisch zu positionieren, als Gegenbild zu dem sich immer weiter automatisierenden bürgerlichen Leben. Problematisch ist, dass dieses Lebensverständnis nichts anderes ist, als das antiziganistische Bild des bürgerlichen Individuums, welches die oben aufgezählten Eigenschaften als Gefahr für das Bürgertum selbst versteht und diese historisch auf als Zigeuner betitelten Menschen bis heute projiziert.

Es werden also die in der Gesellschaft nicht mehr vorgefundenen zwischenmenschlichen Gesten & Merkmale, wie Zuneigung, Verständnis, Vernunft usw. auf das nicht menschlich begriffene, das Vormoderne, also in das was als Natur verstanden wird projiziert. In sie werden die gewünschten menschlichen Eigenschaften hinein verlagert.

Im Gegensatz zur pathischen Projektion, in der das als Fremde und als Gefahr verstandene projiziert und bekämpft wird, wird hier projiziert um überhaupt seine Wünsche ausleben zu können; also das wieder Empfinden zu können was in der Gesellschaft, im Zwischenmenschlichen für die Betroffenen als verloren zu sein gilt. Das geschieht in dem menschliche Eigenschaften in die ‚Natur‘ projiziert werden und diese von der ‚äußeren‘ Gefahr, dem Menschlichen geschützt wird.

Dieses nun neu entstandene Verständnis von Natur und dem positiv Besetzten, wurzellosen, dem ungebundenen freien herumwandern, arbeitsscheu, Ablehnung von Eigentumsprinzipien, also die Romantisierung dieser Eigenschaften, produzieren das Bild des Zigeuner und der Zigeunerin als alternativen Lebensstil zum sinngemäß zukunftslosen, Natur verlorenen, sich zersetzendem(Antisemitismus?) bürgerlichen Leben.

Diese Alternative wird also nicht gelebt, weil geglaubt wird, dass sie Richtig ist, sie wird nur aus einem Abgrenzungszwang gelebt, nur um zu zeigen, das dass bürgerliche Leben falsch ist. Es wird also etwas falsches vorgelebt, um das falsche zu ‚widerlegen‘. Eine Ideologie wird der anderen gegenübergestellt, ohne jemals dieses vorgelebte zu hinterfragen.

Wieso nun diese Vorurteile für den Protest dafür herhalten müssen, könnte damit erklärt werden, dass das heutige bürgerliche Individuum, wir mit eingeschlossen, von kapitalistischer Ideologie durchdrungen ist und es nicht möglich ist etwas zu formulieren oder sich vorzustellen ohne auf bestehende Denkformen zurückzugreifen. Das dies geschieht und weiter geschehen wird, ist nicht zu vermeiden. Diese Vorgänge sollten jedoch bewusst sein. Unreflektierten Menschen wie Bergstedt wird dies jedoch weiterhin unmöglich bleiben.
Eine Methode für das oben beschriebene Problem könnte sein, das bestehende zu negieren, um damit auf das zu zeigen, was noch nicht möglich ist zu formulieren.

 

PS: Außerdem sind die Präsentationen von Bergstedt unglaublich hässlich und unterlaufen jeden Mindestanspruch an ästhetischem Gehalt. Adorno hätte die Bullen gerufen.

 

[1]
[2]
[3]
„Ob gut, ob böse, ob Natur oder Kultur – Herrschaftsfreiheit ist immer richtig! Wir können die Fragen, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist und wie hoch überhaupt der Anteil ist, der durch die unter anderem in den Genen codierte Anfangsausstattung vorgegeben ist, aber einfach beiseite lassen. Der Streit um die Natur des Menschen mag weitergehen, noch Generationen von PhilosophInnen und VerhaltensforscherInnen dürfen gerne ihre Debatten ins Unendliche fortsetzen. Für die gesellschaftliche Praxis der Emanzipation ist sie aber völlig unbedeutend. Denn was auch immer der Ausgangspunkt ist, d.h. ob Menschen nun vermeintlich als gute oder böse Wesen ins Leben starten, ob sie als unbeschriebenes Blatt oder genetisch codiert daherkommen, spielt keine Rolle mehr, wenn als Ziel besteht, dass sich Menschen mit ihren Fähigkeiten gleichberechtigt entfalten. Denn ob jedeR Einzelne eher von der Entfaltung oder von der Unterdrückung Anderer Nutzen hat, wird das Verhalten beeinflussen unabhängig vom Ausgangspunkt. „
[4]
„Es gibt jedoch auch politische Gruppen, die unabhängige, emanzipatorische politische Arbeit machen und trotzdem nicht „am Hungertuch nagen“. Eines ihrer Geheimnisse ist: Ganz wenig Geld brauchen! Es gibt nur wenige Bereiche, in denen es nicht auch ohne Knete ginge, von Sachspenden bis zu abenteuerlichen „Deals“ kann ganz gezielt und in breiter Form die materielle Grundlage für die politische Arbeit organisiert werden.“
[5]

Karriere & Verwirklichung

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten.

Unsere Gesellschaft hat die privaten Elemente, wie Kreativität, Loyalität, Vertrautheit usw., in die Öffentlichkeit, in den Job gebracht. Selbstverwirklichung findet nicht mehr im Privaten, sondern in der Öffentlichkeit statt. Womit auch die Formen der Verwirklichung, sei es Lebensstil, Karriere, in Konkurrenz stehen, da die Subjekte im Kapitalismus in einem unumstößlichen Vermittlungszusammenhang, zu der auch die Konkurrenz gehört stehen.

Dadurch ändert sich nun die Bedeutung des Begriffs Verwirklichung. Wenn man meint sich verwirklicht zu haben, steht dieser Begriff nicht mehr im ursprünglichen Sinne da, nämlich die Anerkennung der individuellen Taten in der Gesellschaft, sondern in einer funktionellen, einer das gesellschaftliche Verhältnis rationalisierenden und legitimierenden Funktion.

Man hat nicht das getan für was man sich interessiert, man hat das getan, was die Umgebung von einem verlangt hat. Man hat nicht die Umgebung nach seinen Wünschen gestaltet, sondern die Umgebung einen selbst.
Karriere ist das Gegenteil von Verwirklichung. Durch Verwirklichung drückt der Mensch sich in der Gesellschaft aus. Durch Karriere drückt sich die Gesellschaft im Menschen aus.
Selbstverwirklichung ist von einem Recht zur Pflicht geworden.

In Ihr ist keine Entwicklung mehr, sondern nur noch Anpassung zu sehen.

Weihnachten

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Mit Weihnachten nähert sich ein Ritual welches sich dadurch auszeichnet, dass nicht der Kampf für sich selbst – welcher zugleich auch immer ein Kampf gegen Andere ist -, kurz das Geschäft, Gegenstand des Alltags ist, sondern die Gefühle welche die Menschen zueinander unterhalten. Diese zentralen Werte besitzen jedoch keine ökonomische Kompetenz. Sie sind machtlos gegenüber der konzentrierten Gewalt der Verhältnisse.

Es wird versucht die gesellschaftlichen Widersprüche im privaten, im familiären aufzuheben:
Der Fremdheit wird die Vertrautheit entgegengesetzt;
der ökonomischen Austauschbarkeit, die eheliche/familiäre Unersetzbarkeit;
der Konkurrenz, die Loyalität.

Diese Werte können jedoch nur ein kleines Substitut für das bieten, was im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang überflüssig ist.

Pulse of Europe

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In ihrem Selbstverständnis schreibt die „Pulse of Europe“- Bewegung, dass es ihr ein Anliegen ist, die vier europäischen Grundfreiheiten zu bewahren: freier Waren- und Dienstleistungsverkehr, freier Kapitalverkehr und freier Verkehr von Arbeitskräften.
Wir als Kommunist*innen wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in der Arbeitskraft eine Ware ist. Arbeit soll der Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse und der Selbstverwirklichung dienen.

Überhaupt wollen wir nicht in einer Warenwirtschaft leben, denn Warenproduktion heißt, dass nicht für die Bedürfnisse der Menschen, sondern für den Markt produziert wird.

Das ist der Grund dafür, dass in einer hochentwickelten Weltwirtschaft, die ohne Probleme neun Milliarden Menschen ernähren könnte, täglich Tausende verhungern.
Kapitalismus bedeutet, dass fast alles, was wir für ein angenehmes Leben brauchen, Wohnraum, Lebensmittelproduktion oder Verkehrswesen, in privater Hand ist und so genutzt wird, dass es möglichst hohen Profit abwirft.

Wir wollen die Überführung aller Produktionsmittel in Gemeineigentum!

Wohnen, Mobilität, Nahrung und gesellschaftliche Teilhabe müssen Grundrechte sein, keine Waren!

Arbeit und Produktion müssen demokratisch koordiniert und nicht der Willkür des Marktes überlassen werden.

Der freie Kapitalverkehr ist die Wurzel der Konkurrenz zwischen den Staaten und somit Ursache für Imperialismus, Krieg und Flucht.

Der Neoliberalismus hat den Neofaschismus hervorgebracht. Ein Beibehalten dieses Kurses- des Sozialabbaus und Marktliberalismus- wird den Faschismus weiter stärken. Die Kriege in der Ukraine, in Libyen und Syrien sind Beispiele für die Folgen transatlantischer Marktexpansion.

Ein weiteres Ziel des Pulse of Europe ist es „regionale, nationale und europäische Identität“ zu bewahren.“ Das ist Pegida im bürgerlichen Gewand. Wir distanzieren uns klar von dieser Position!

Alles für Alle! Für den Kommunismus weltweit!

Kulturhauptstadt 2025

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten.

Nürnberg startet dieses Jahr mit der Bewerbungsphase für die europäische Kulturhauptstadt 2025. Das Konzept Kulturhauptstadt ermöglicht es den teilnehmenden Städten ihr kulturelles Erbe in einem größeren Bezugsrahmen, die der EU zu präsentieren. Die EU wiederum kann dies als weiteres Beispiel für die Einheit und Vielfalt Europas propagieren. Wir kritiseren nicht die Idee Kulturprogramme zu schaffen.

Was wir kritisch sehen ist die Umsetzung, der Ansatz mit der neue Kulturprojekte geschaffen und gefördert werden sollen.

Das kulturelle Erbe einer Stadt, Kultur im Allgemeinen ist etwas Einzigartiges. Etwas das nicht in Konkurrenz gestellt werden kann. Das Konzept sieht jedoch genau dies vor: Durch Bewerbung und Jury entsteht ein künstliches Konkurrenzverhältnis in welchem sich das wertvollste Konzept heraus kristallisiert. Die Kultur, sowie die Stadt selbst wird zu einer Ware, welche europaweit beworben wird. Sie wird zu einem politischen Mittel, zu einer Rechtfertigung Europas und dessen Handlungen.

Auch wenn nur ein Nebenprodukt, es entstehen Kulturprojekte, Tourismus und eine Aufwertung des städtischen Ansehens, keine Frage. Es soll nur darauf aufmerksam gemacht werden, dass hier kapitalistische Logik die Entscheidungen, Denkmuster und Verhaltensweisen beeinflusst. Projekte, Veranstaltungen werden immer öfters in unnötig künstliche Konkurrenzverhältnisse eingebettet und umgesetzt. Kapitalistische Verhältnisse werden so reproduziert. Das Projekt Kulturhauptstadt ist dafür ein gutes Beispiel.

Die EU will durch Programme wie die Kulturhauptstadt ein neues wiederspruchsfreies und mehrheitsfähiges Narrativ schaffen, ein friedenspolitisches Narrativ. Diesem Vorhaben stehen neoliberale Wirtschaftsweisen(Austeritätspolitik), Ausgrenzungs- und Abschottungspolitik, sowie Formalisierungs- und Zentralisierungstendenzen entgegen. Ohne das Aufheben dieser Widersprüche bleibt die EU eine Parodie/Karikatur, ein Zerrbild einer solidarischen Gemeinschaft.

Wer sind wir?

Wer wir sind …
Wir sind Azubis, Schüler*innen, Studierende, junge Erwerbstätige und  Erwerbslose und engagieren uns gemeinsam gegen die großen und kleinen  Ungerechtigkeiten des Alltags. Linksjugend [’solid] ist unsere Plattform, wo junge Menschen selbst Politik machen können – egal, ob sie  schon länger dabei sind oder neu einsteigen wollen.
Wir greifen ein, denn die Gestaltung unseres Lebens wollen wir nicht  Anderen überlassen. Unser Kampf gilt offensichtlichen sowie weniger  sichtbaren Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnissen, unter denen wir  und andere zu leiden haben. Selbstbestimmt wollen wir leben, statt uns  von Märkten, Lehrer*innen, vom Staat oder gesellschaftlichen Normen  herumkommandieren zu lassen.
Viele unserer heutigen Probleme hängen dabei mit der kapitalistisch  organisierten Gesellschaftsform zusammen, welche zum Profitstreben  zwingt und so Existenzängste, Armut und Naturzerstörung produziert.
Was wir wollen…
Wir wollen ein schönes Leben für Alle organisieren. Doch ein  Gesellschaftsmodell, dessen Antrieb es ist, aus Geld mehr Geld zu  machen, steht dem nur im Weg. Meistens entscheiden nicht die Menschen,  sondern der Markt, wer was wie produziert. Doch seine Logik ist absurd,  sie bringt konkurrierende Unternehmen dazu, den maximalen Profit zu  erwirtschaften. Menschen und Natur sind Kostenfaktoren, die dabei beliebig ausgebeutet werden.
Die Profiterwartungen entscheiden, ob Getreide zu Nahrung oder Sprit verarbeitet wird. Obwohl immer weniger Arbeit nötig ist, werden die Einen immer stärker belastet und der Rest für überflüssig erklärt. Selbst in den Gewinnerregionen des Weltmarkts sind die Lebensumstände der Mehrheit unsicher und fremdbestimmt. Die Wenigsten wissen, wie sie  nächsten Monat die Miete zahlen sollen. Burn-Out und Depressionen sind Volkskrankheiten geworden. Inmitten all dieses Elends bereichern sich einige Wenige am Leid der Anderen, leben in unvorstellbarem Luxus und tun alles dafür, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändert.
Deshalb reicht es eben nicht, öfter mal zu Fuß zu gehen, statt mit dem Auto zu fahren. Oder dass Alle mal ein bisschen netter zueinander sind. Sondern wir müssen die Gesellschaft anders organisieren, also die Art und Weise, wie entschieden, produziert und verteilt wird, ändern.
Dafür müssen wir uns den Betrieb, unsere Städte und Straßen zurückholen. Wir kämpfen für die Demokratisierung aller Lebensbereiche, damit die Menschen über alles, was ihr Leben betrifft, selbst entscheiden können. Doch auch die Befürworter des Bestehenden sind gut  organisiert. Nur, wenn wir uns zusammentun, werden wir gehört. Der Kampf für eine andere Gesellschaft beginnt jetzt. Was machst du?

Let’s make the Internet consensual!

As a pluralist group, we do not have a single opinion. Different people, who are active in our context, publish their views here from time to time.

The principle of consent is a collection of norms about sex. They were created to ensure that everyone involved in the sex feels good, so nobody has to fear to be coerced into something they do not want. It relies on steady communication, of asking, how the other one feels about something, and agreeing, verbally or non-verbally, to every act.

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