Demo in München gegen das PAG

Das PAG ist beschlossen – und was jetzt?

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten. Diese Rede wurde am 15.5.2018 in Nürnberg gehalten.

Dass in Bayern 40.000 Leute auf die Straße gehen, ist ein gutes Zeichen – und ich habe es ehrlich gesagt nicht erwartet.

Mit bunten Haaren ist man es hier gewohnt, allein gelassen zu werden. Deshalb danke, dass ihr heute alle hier seid!

Viele Leute interessieren sich plötzlich für Gerechtigkeit und haben satt, dass die CSU seit über 60 Jahren praktisch Alleinbestimmerin in Bayern ist. Damit, dass die CSU uns alle ignoriert, hat sie vor allem eins gezeigt: wir leben nicht mehr in einer Demokratie, und mit friedlichem Widerstand können wir hier nichts mehr machen.

Wenn 40.000 Leute, die in München kaum auf die Plätze passen, die CSU nicht zum einlenken bringen können, wenn sie Notstandsgesetze einführt und Wegbereiter des Faschismus spielt – dann können wir die Freiheit nicht mehr friedlich verteidigen, und unsere Chance ist verspielt.

Das ist der Moment, nach dem unsere Kinder uns fragen werden:

  • „Was habt ihr dagegen getan, als der Polizeistaat etabliert wurde?“
  • „Was habt ihr getan, als die Demokratie abgeschafft wurde?“
  • „Was habt ihr getan, als all die Menschen abgeschoben wurden, die hier ein besseres Leben suchten?“
  • „Was habt ihr getan, als alle die anders waren, als Lesben und Schwule, Muslime, Aktivisten, Fußballfans, Punks, Unangepasste, Schwarzfahrer, HIV-Infizierte, Psychisch Kranke, Unerwünschte, Migranten, Anarchisten, und irgendwann auch Liberale nach und nach zu Gefährdern erklärt wurden?“

Spätestens vom heutigen Tag an können wir uns nicht mehr darauf verlassen, dass uns der Rechtsstaat vor der Willkür der Mehrheit schützt. Ab jetzt verteidigen wir uns selbst oder gar nicht.

  • Also verschlüsselt eure Kommunikation!
  • Kocht und sorgt füreinander!
  • Erzählt euch eure Geschichten!atat
  • bietet Leuten Unterschlupf an, wenn sie vor unserem oder anderen Regimes fliehen müssen!
  • Liebt euch, als wärt ihr morgen nicht mehr frei!
  • Redet nicht mit den Bullen 😉
  • Lernt, euch selbst und andere vor Gericht zu verteidigen!
  • Seid solidarisch, wenn andere festgenommen werden!
  • Und vielleicht tut ihr ja noch andere Sachen, die wir hier nicht sagen können, ohne zu Straftaten aufzurufen.

Haltet zusammen und glaubt an die Freiheit: bildet euch, bildet andere, bildet Banden!

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