Die Armutsgestalt des Jörg Bergstedt und das Elend seiner Sympathisanten

Als pluralistische Gruppe haben wir nicht eine geschlossene Meinung. Verschiedene Leute, die in unserem Kontext aktiv sind, geben hier immer wieder eine Sichtweise zum besten.

 

Eine Polemik an der Ideologiebildung der Direct Action Bewegung und seinem regressiven Charackter

Vorwort

Die Direct Action Bewegung rund um Jörg Bergstedt hat eine neue Form des inhaltslosen Aktivismus entwickelt, welche Ersatzhandlungen für Aktivistinnen beinhaltet, die handeln aber nicht denken wollen. Dieser Aktivismus entspringt unserer Meinung nach einer hektischen Form von Theoriebildung, wie sie in den Texten der ‚Projektwerkstatt‘ nachgelesen werden kann. Diese Denkfaulheit wollen wir zuerst in der Theorie am Staatsbegriff, sowie an dem Begriff des Individuums aufzeigen. Danach sehen wir uns die praktischen Protestformen an, die aus der Theorie folgen.

Der positive Bezug zum Konstrukt Individuum und der Staatsfetisch

Die zwei Kernproblematiken, in den Theorien von Bergstedt sehen wir erstens in der positiven Bezugnahme auf das Individuum[1], welches selbst kapitalistisch bestimmt ist. Zweitens wird der Staat fetischisiert als eine äußere unabhängige Gewalt[2].

Das Individuum

Das bürgerliche Individuum entsteht ideologisch mit den Philosophen der Aufklärung(Voltaire, Rousseau, Kant etc.) und entwickelt sich historisch mit dem Entstehen kapitalistischer Produktionsverhältnisse, ca. 1712. Das bürgerliche Subjekt wird verstanden als Warenbesitzer welcher im Austausch von Waren mit anderen Warenbesitzer die Gesellschaft zivilisiert und kultiviert, s. ‚mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte‘, Kant. Erst durch die Warenbeziehung tritt der Mensch in eine zivilisierte Beziehung zu seiner Umgebung und der Gesellschaft. Weiterhin wird das bürgerliche Individuum als rational handelnd, diszipliniert, kurz gesagt, im Sinne Kant’s kategorischen Imperativ, als mündig begriffen.
Die Objektivierung des einzelnen Subjekts entsteht im Tausch- und Produktionsprozess, indem Waren spezifische Eigenschaften zugeordnet werden, oder werden müssen, welche ihren Gebrauchswert bestimmen. Da die Arbeitskraft des Menschen im Kapitalismus selbst zu einer Ware wird, muss er diese Objektivierung auch an sich selbst vornehmen.
Ein weiterer Aspekt, der das Individuum ausmacht, ist der Rationalisierungsprozess der Introjektion. Äußere Zwangsverhältnisse die auf das Subjekt wirken, werden integriert und abgerufen. Äußerlich scheinen dadurch die Zwänge zu verschwinden, etwas das als Freiheit empfunden wird. Jedoch treten die Widersprüche und Zwänge damit, verlagert im Subjekt selbst, privatisiert wieder auf. Beispiele dafür wären: Die erschöpfende Arbeit, die rationalisiert, als Arbeit auftritt, die geliebt wird. Oder die Ohnmacht gegenüber den materiellen Verhältnissen zu einem Dogma wird, alles erreichen zu können, wenn man nur daran glaubt(Tellerwäscher zum Millionär).
Eine ernstgemeinte radikale und selbstreflexive Kritik der Gesellschaftsverhältnisse, würde jedoch genau das Gegenteil bewirken, das was man als Individuum begreift, würde beginnen sich, mit den Widersprüchen, die ins innere verlagert wurden, vor einem aufzulösen. Das Problem ist also nicht, das Individuum an sich, sondern dessen Konstrukt. Im Kapitalismus ist das Individuum die Summe von Zwangsverhältnissen. Das Problem ist also eher, dass im Kapitalismus keine Individualität geformt werden kann, da sie durch die Zwangsverhältnisse stark beeinflusst wird.
Da Bergstedt diesen historischen und ideologischen Prozess jedoch nicht erkennt oder erkennen will und es scheinbar auch nicht vorhat, da er sich positiv darauf bezieht, übernimmt er die Widersprüche die dieses Konstrukt beinhaltet. Welche Widersprüche das sind, sollte im folgenden Staatsfetisch Kapitel klarer werden, da das Individuum und der Staat im Kapitalismus untrennbar aufeinander bezogen sind.

Der Staatsfetisch – freie Menschen in freien Vereinbarungen oder privatisierte Barbarei

Wenn man nicht möchte das eine Staatskritik in einem Fetisch endet, muss man begreifen, dass das was wir als Staat erkennen und uns als Staat gegenüber tritt, in der Denkform selbst, welche aus den materiellen Verhältnissen(Produktionsform) entsteht, beinhaltet ist. Unsere bestehende Gesellschaft, sowie auch Denkform ist Gewalt förmig angelegt. Das machtlose, tüchtige, ehrliche und zugleich rational, vernunft und moralisch handelnd und denkende bürgerliche Subjekt ist durch Gewalt geformt. Um ein banales Beispiel zu nennen: Der Bürger kauft das Fahrticket nicht aus Kants kategorischen Imperativ heraus, sondern aus Furcht vor der Staatsgewalt, er wägt die Strafe gegen den Preis des Tickets ab.
Es ist also ein Gewaltverhältnis notwendig, um die materiellen Verhältnisse durch Gesetze, Strafen usw. zu erhalten und zu reproduzieren, und damit auch das bürgerliche Subjekt. Die Konflikte die daraus entstehen, wie beispielsweise Muße, Freiheit, Machtstreben, Undiszipliniertheit, Glück usw., sowie auch die Reproduktionsarbeit, welche nicht in diese Sphäre gehört, jedoch trotzdem für sie notwendig ist, muss abgespalten werden. Meistens werden diese Wünsche auf Minderheiten projiziert, und das um Bürger(Staatssubjekt, Rechtssubjekt usw.) bleiben zu können: Macht und Glück auf die Juden; Reproduktionsarbeit auf die Frauen; Freiheit, Muße, Arbeitsscheu, Naturverbundenheit auf Sinti & Roma.
Auch werden diese Sehnsüchte kulturindustriell verarbeitet und rationalisiert, in dem derselbe Alltag als Paradies wieder angeboten wird.
Bergstedt erkennt nun jedoch auch diesen Umstand nicht, was ihn dazu bewegt den äußerlich begriffenen Staat abschaffen zu wollen. Was jedoch nur bedeuten würde, dass der Staat als Institution, in einer anderen Form erscheint, da die Produktionsverhältnisse, aus denen er entsteht nicht berührt werden. Beobachten kann man das auch in linken Zusammenhängen, in denen durchaus informelle Herrschaftsstrukturen, wie mit bspw. ‚Awareness-Teams‘ entstehen, welche sich von einer Institution des Staates im kleinen, kaum unterscheiden.

Der Wertcharakter und die Barbarei

Hinter der Idee von ‚freien Menschen in freien Vereinbarungen‘, steckt ein kapitalistisches Merkmal von Effizienz. Die Individuen im „Aushandlungs“verhältnis(nichts anderes als ein Marktverhältnis) handeln Entscheidungen aus. Die effizienteste wird in die Tat umgesetzt. Das was die Gesellschaft nun reguliert, ist nicht das Streben nach effizienter Produktionsweise, also Streben nach größerem Mehrwert, sondern das Streben nach dem geringsten Aufwand. Bergstedt argumentiert(ein herrschaftsloses Verhältnis vorausgesetzt), das so z.B. keine Waffen produziert werden würden um Kriege zu führen, da der Aufwand geringer ist, hier eine Regelung zu treffen, welche für beide Seiten weniger Aufwand bedeutet. Das hebt jedoch den kapitalistischen Charakter in diesem Verhältnis nicht auf, sondern verlagert ihn nur. Es existiert immer noch ein abstrakter Wert von Arbeit. Das es bspw. zu aufwendig ist behinderte Menschen zu versorgen, würde in so einer Gesellschaft, keine weit liegende Assoziation sein, wie es heute schon eine ist. Da sie nun nach weniger Aufwand, des weniger Aufwand wegen strebt. Sowie im Kapitalismus nach dem Profit gestrebt wird, des Profit wegen. Der Wertcharakter in der Gesellschaft wird dadurch nicht aufgehoben. Freiheit ohne Bewusstsein bedeutet Barbarei und das ist was Bergstedts Ideologie vermittelt, einen nicht selbstreflexiven Begriff von Freiheit[3].

Idealistische Gebilde & reale materielle Verhältnisse

Vom Handeln aber nicht Denken wollen

Ein Merkmal von Ideologie ist das unfreier werden, während Freiheit propagiert wird.
Das Kämpfen für Freiheit, beinhaltet das Leben unter der Pfändungsgrenze, sammeln aus Containern, das Befassen mit inhärenten juristischen Kämpfen.
Zusammengefasst muss sich eben den jeweiligen Gesetzen untergeordnet werden, die diese Bewegung im Grunde bekämpfen/abschaffen möchte. Das Unterordnen unter sie, setzt auch ihre politische Handlungsfähigkeit voraus. Beispielsweise bedeutet, das nicht leistungserschleichende öffentliche Verkehrsmittel fahren, per Schild nicht, dass man der Geldstrafe entgeht. Der Geldstrafe wird erst entgangen, wenn es nichts zu pfänden gibt, was das Leben unter der Pfändungsgrenze bedeutet. In dem Zustand ist, das Containern auch ganz vernünftig und konsequent. Der Lebensstil ist tendenziell also schon vorgegeben.
Normalerweise wäre es andersherum sinnvoller. Gesellschaftliche Teilhabe sollte eingefordert werden, hier findet jedoch ein Rückzug statt. Das produzierte Elend der Gesellschaft wird nicht bekämpft, es wird sich von ihr abgegrenzt und eine Selbstverwaltung des Elends eingerichtet, von dem sie ein Teil sind[4]. Weiterhin sollten den Menschen Methoden mitgegeben werden, die es ihnen ermöglicht emanzipatorisch die Gesellschaft zu analysieren, im Grunde also Voraussetzungen zu schaffen. Die Direct Action Bewegung jedoch, gibt einen kompletten Lebensstil vor.
Den Gegner mit seinen eigenen Mitteln, in diesem Fall Gesetze, zu bekämpfen bedeutet sich diesen Gesetzen zu unterwerfen. Es entsteht hier also ein paradoxer Zustand, dessen Ursache darin liegt, dass neue Ideologie aus der bestehenden bürgerlichen Ideologie recycelt wird, die schon Widersprüche enthält.
Zu was das führt, sieht man deutlich bei Bergstedt, der sehr überzeugt von sich selbst, von seinen Katz und Maus Spielchen mit Polizei und Justiz erzählt, oder während er im Müll wühlt, die kapitalistische Produktion kritisiert und damit sein Gewühle rationalisiert. Auf die Frage jedoch, weshalb man dafür im Müll wühlen muss und was es bringt, wenn nun alle Menschen kollektiv im Müll wühlen und ob es nicht besser wäre die Produktion zu überwinden die er kritisiert, welche eben zu dieser Verschwendung führt, wird er nur mit dem immer gleichen Antworten können, nämlich mit Ersatzhandlungen, welche seine Denkfaulheit nicht besser veranschaulichen könnten.
(Sehr oft werden die Zapatistas als Vorbild zitiert: „fragend schreiten wir voran“. Das Fragen wird aber öfters vernachlässigt).
Wenn Bergstedt nun nur seinem selbstgeschaffenem Elend beiwohnen würde, gäbe es aus unserer Sicht, vielleicht nur eine aufmerksame Bemerkung, dass das ganze kein Sinn ergibt.
Das Problem, ist mehr, dass sich Menschen dazu bewegt sehen in Containern zu wühlen, zu schnorren und sich an Bäume zu ketten, auch unabhängig von ihren realen materiellen Verhältnissen(es gibt dazu auch praktische Tipps [5]). Was wiederum den Menschen, die in diese Verhältnisse aus materieller Not gezwungen sind nicht gerecht wird(s. Tendenzen zum Antiziganismus). Die Verhältnisse als Freiheit von der Gesellschaft zu verkaufen und zu imitieren, was jedoch nur Unterordnung in Zwangsverhältnisse bedeutet, offenbart gleichzeitig auch eine sehr egozentrische Sicht auf das Gesellschaftsverhältnis.

 Der esoterische Naturbegriff & Naturbeherrschung

(in Bearbeitung)

Tendenzen zum Antiziganismus

(in Bearbeitung)

 

PS: Außerdem sind die Präsentationen von Bergstedt unglaublich hässlich und unterlaufen jeden Mindestanspruch an ästhetischem Gehalt. Adorno hätte die Bullen gerufen.

 

[1]
[2]
[3]
„Ob gut, ob böse, ob Natur oder Kultur – Herrschaftsfreiheit ist immer richtig! Wir können die Fragen, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist und wie hoch überhaupt der Anteil ist, der durch die unter anderem in den Genen codierte Anfangsausstattung vorgegeben ist, aber einfach beiseite lassen. Der Streit um die Natur des Menschen mag weitergehen, noch Generationen von PhilosophInnen und VerhaltensforscherInnen dürfen gerne ihre Debatten ins Unendliche fortsetzen. Für die gesellschaftliche Praxis der Emanzipation ist sie aber völlig unbedeutend. Denn was auch immer der Ausgangspunkt ist, d.h. ob Menschen nun vermeintlich als gute oder böse Wesen ins Leben starten, ob sie als unbeschriebenes Blatt oder genetisch codiert daherkommen, spielt keine Rolle mehr, wenn als Ziel besteht, dass sich Menschen mit ihren Fähigkeiten gleichberechtigt entfalten. Denn ob jedeR Einzelne eher von der Entfaltung oder von der Unterdrückung Anderer Nutzen hat, wird das Verhalten beeinflussen unabhängig vom Ausgangspunkt. „
[4]
„Es gibt jedoch auch politische Gruppen, die unabhängige, emanzipatorische politische Arbeit machen und trotzdem nicht „am Hungertuch nagen“. Eines ihrer Geheimnisse ist: Ganz wenig Geld brauchen! Es gibt nur wenige Bereiche, in denen es nicht auch ohne Knete ginge, von Sachspenden bis zu abenteuerlichen „Deals“ kann ganz gezielt und in breiter Form die materielle Grundlage für die politische Arbeit organisiert werden.“
[5]

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